Bitte stehen lassen!

Diese Parole haben wir den Zeichnungen beigefügt, damit Wanderer und Urlauber an ihrer Ehre gepackt werden. Ein schönes Projekt, das mich dazu animierte, geschützte Alpenpflanzen zu zeichnen – inspiriert von einer alten Tafel, auf der gesagt wurde, dass man die bitte nicht pflücken soll. Ich habe sie nachempfunden, behutsam modernisiert und für Nesselwang von Hand illustriert und digitalisiert.

Alpen pflanzen geschuetzt aurikel enzian edelweiss 

Die Königin der alpenländischen Schutzpflanzen, die Silberdistel, schmückte jedes Jahr das Kranzrind, die Kuh, die von der Alm als erste und schönste im Herbst heruntergetrieben wurde, – sie trägt traditionell den prächtigsten Schmuck und repräsentiert die Herde und den Stolz der Hirten. Die Silberdistel wurde dabei mitten auf der Stirn, quasi auf „dem dritten Auge“ platziert und symbolisiert den Blick hinter die physisch begreifbare Welt. Die Kuh ist nicht nur in Indien heilig ;-) Und weil die besagte Pflanze eine Distel ist, wurde ihr in der Abwehr von „bösen Kräften“ eine besondere Aufgabe zuteil. Auch galt sie als Allround-Heilmittel. Von den Harnwegen über die Hauttherapie bis zur Wundpflege wurde sie nicht zuletzt wegen ihrer antibiotischen Wirkung eingesetzt. Vielleicht war sie deshalb Mitte der 80er Jahre fast ausgerottet und steht schon lange unter Naturschutz. Wenn beim Almabtrieb geschmückt wird, – auch ohne Silberdistel – heißt das, dass die Herde gesund den Bergsommer verbracht hat. Dafür wird der ganze Bohai gemacht: aus Dankbarkeit und zum Segen aller Beteiligten.

                                           silberdistel