Der eitle Fuchs

über heiße Hintertürchen und Selbstrettung

Es war einmal ein Hase, Hartmut von Löffelstein genannt, der war vornehm und auf sein Äußeres wohl bedacht. (Hä? Es heißt doch der eitle Fuchs...) Er ging einmal die Woche zum Frisör, um sich die Schnurrhaare stutzen und legen zu lassen. Und dieser Frisör am Ort war Reineck, der Fuchs. Die Behandlung bei ihm tat Sir Harmut gut und er fühlte sich schön und gepflegt. Eines Tages jedoch kam er zum Fuchs und der sah hungrig aus und wollte ihn, nachdem er ihn hereingebeten hatte, genüsslich verspeisen. Hunger lässt einen eben manchmal Beziehungen vergessen. Gemeinhin gelten Füchse als schlau, doch unser ehrbarer Hase Hartmut stand mit seiner Hasenschläue keinem auf der Welt nach, schon gar nicht dem Fuchs. So bemerkte der Hase, wohin die Geschichte sich bewegte, er dachte aber noch lange nicht daran, die Löffel jetzt schon abzugeben. Als ihm der Fuchs auf die Pelle rückte, erdachte er deshalb eine List. Der Fuchs war überzeugt, dass nur er listig sei und dachte gar nie nicht daran, dass ein anderer ihn überlisten könne.
„Du Fuchs“, sprach er, „ du hast einen so schönen buschigen Schwanz, er könnte aber noch ein wenig fluffiger und adretter sein.“ Der Fuchs, volle Breitseite in seiner Eitelkeit getroffen, hob fragend die Brauen. „Wie bitte, soll ich das anstellen?“ Daraufhin angwortete der Hase: „Hast du je meinen fluffigen Puschel bemerkt?“ Mit diesen Worten reckte der Hase Hartmut seinen unglaublich duftigen Puschel genau vor des Fuchses Nase. Der Fuchs vergaß seinen Hunger, das tun übrigens viele, wenn es um die Schönheit geht und glühte vor Neugier. Sein Schwanz war nämlich sein ganzer Stolz, den er hegte und pflegte. „Ich wasche ihn“ der Hase machte eine kunstvolle Pause – „einmal die Woche mit weißem Rübensaft von der seltenen Glanzrübe. Die ist schwer zu finden, aber ich könnte Dir zeigen, wo sie wächst.“ Der Fuchs nickte langsam, ging im Kopf seinen Salon-Terminkalender durch, er hatte für heute keine Kundschaft mehr.
Langsam nickte er: „du gehst voran, Puschel!“ und stieß ihn hinaus. Mit einer schnellen Bewegung sperrte der Fuchs seinen Laden zu. „Du Hase, ich trau’ dir nicht. Wer sagt mir, dass du mir nicht davon rennst?“ Mit Unschuldsmiene und nach oben gerollten Hasenaugen, klimpernd mit den Hasenwimpern, entgegnete der Hase Hartmut: „Du hast mein Wort.“ Das genügt manchmal nicht für einen, der das, was er einmal in den Pfoten wähnt, nicht mehr gern hergibt. Und vor allem solche, die es selbst nicht ehrlich meinen, sind oft misstrauisch. „Ich nehme lieber einen deiner Löffel ins Maul, damit du bei mir bleibst.“ Auch gut, dachte der mutige Hase Hartmut und so lief das merkwürdige Paar, Hasenohr im Fuchsmaul, wie an der Leine, aus dem Ort in Richtung der saftigen grünen Wiesen. Dort am Waldrand fanden sie auch die legendäären Glanzmöhren und gruben gerade so viel aus, dass es gewiss für des Fuchses Schwanz reichen würde. Der Fuchs grinste und konnte immense Freude spüren, denn wähnte er sich nicht nur im Besitz der Rüben für seinen Schwanz, sondern auch des Hasen für seinen knurrenden Magen.
Hase Harmut blieb locker und fragte den Fuchs, ob er denn wisse, wie die Spülung anzuwenden sei. Der Fuchs, dem bereits der Speichel aus dem Maul troff vor lauter Appetit, klappte den Unterkiefer herunter und sagte in einem scharfen, gedehnten Singsang: „Du wirst es mir gewisslich verraaaaaten. Ein wenig Rüben und Wasser, – mehr kann da wohl nicht dabei sein.“ „Kein Wasser!“ der Hase Hartmut tat entsetzt. „Bloß kein Wasser.“ raunte er nochmals. Der Fuchs erstarrte, zog seine Krallen wieder ein und wartete ungeduldig auf das, was ihm dieser außergewöhnlich gepflegte Hase sagen mochte.
„Es gibt eine Rübensaftpresse.“ hauchte dieser und machte eine kunstvolle Pause und ein Gesicht war geziert. „Woher soll ich eine Rübensaftpresse nehmen?“ fragte der Fuchs unwirsch. Dieser Hase verwirrte ihn „und langsam werde ich ungeduldig“. „Ich kann sie dir besorgen!“ Der Hase tat Geschäftsmännisch. Der Fuchs, überrumpelt, verwirrt, an der Nase geführt und mit Rübensaft quasi weich gemacht, ließ den Hasen voran hoppeln. Und folgte gierig. Der schlaue Hase Hartmut drehte sich immer wieder um, um dem Fuchs ja keinen Grund zu geben, aus Panik von hinten zuzuschnappen. Und so kam das Tandem schließlich an ein Hasenloch. Das war jedoch zu klein, als dass der Fuchs hinein gepasst hätte. Betreten erlaubte der Fuchs dem Hasen, hinein zu gehen. Er wolle da auf den Hasen warten und sich keinen Deut weg bewegen. Der Hase schlüpfte mit einem freundlichen Nicken und wippendem Puschel ins Loch.
Das Loch – jedoch – führte zur sehr weit verzweigten Behausung seinen Vetters Arno. Schnell verschloss Hartmut den Eingang hinter der nächsten Biegung. Als er seine Großfamilie fand, gab es erleichtertes Schulterklopfen. Wo bist du nur so lang gewesen? Ich erzähle es Euch sofort, es fing alles mit einem Friseurbesuch an und außerdem dürft ihr den Nordausgang nicht mehr benutzen...

Schlussfolgerungen:
1) Manches Hintertürchen hat schon Leben gerettet.  
2) Bei der Eitelkeit ist so mancher zu packen. Mal am Schwanz und mal im Nacken...
3) Wer sich zu helfen weiß, weiß sich zu helfen.
4) Bevor man nicht gefressen ist, lohnt es nicht, den Spaß auf- und den Löffel abzugeben.