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Die Hagebutte


TRADITIONELL SIND IM ALLGÄU WEISE KRÄUTERFRAUEN UND -MÄNNER ZU HAUSE. IN DIESER STARKEN, RAUEN LANDSCHAFT WÄCHST UND GEDEIHT VIELES, DAS UNTERWEGS UND DAHEIM BEIM SPORT HILFREICH SEIN KANN

Hagebutte, Hecken- oder Hundsrose genannt. Mir scheint, sie kam bei jedem Langlaufrennen die letzten 20 Jahre vor und beim Marathon sowieso. Tee danach? Will man nix verkehrt machen, gibt es Früchtetee mit Hagebutte drin. Die Hagebutte ist die Frucht der Rose. Jede Rose, auch gezüchtete mit langen Stängeln, bildet Hagebutten unterschiedlichster Form aus, wenn die verblühte Blüte nicht vom achtsamen Gärtner gekappt wird. Was nützt sie dem Sportler? Wer viel trainiert und bei jedem Wetter vor die Tür, auf den Berg oder die Loipe geht, wer oft von Schweiß gebadet in der Kälte steht, ist froh, wenn er Unterstützung für’s Immunsystem erhält. Besonders nach schweren Wettkämpfen oder langen Ausdauer- und Laufgeschichten, ist der Körper mit Regeneration beschäftigt und fährt das Immunsystem herunter. In der Zeit, bis die „Gesundheitspolizei“, maßgeblich die weißen Blutkörperchen, wieder in voller Stärke anwesend ist, sind wir extrem anfällig.
Heißer Hagebuttentee hilft dabei gleich mehrfach: hoher Vitamin-C-Gehalt, die wärmende Wirkung des Trunks von innen, sowie seine Leber und Nieren unterstützende Wirkung. Die Leber als Entgiftungsorgan transportiert mit Hilfe von Hagebutte noch schneller und effektiver auch das aus dem Körper, was beim Stoffwechsel an Abfallprodukten anfällt. Besonders, wenn wir „blau“ gehen – mit oder ohne Alkohol ;-). In den Muskeln werden Traubenzucker und Fettsäuren mit Hilfe von Sauerstoff „verbrannt“: Energie entsteht, die Muskeln arbeiten. Bei großer Beanspruchung wäre der Bedarf an Sauerstoff größer als das, was tatsächlich in den Muskeln ankommt – so tief und viel können wir gar nicht atmen! Drum stellt unser kluger Körper um: er macht’s ohne Sauerstoff, Milchsäure entsteht. Die ist verantwortlich für schwere Beine und schuld, wenn die Muskeln „zu“ machen. Die Leber kann Milchsäure abbauen. Und da die Hagebutte die Leber und diesen Abbau-Prozess unterstützt, regenerieren wir uns nach heftigen Anstrengungen schneller und besser mit Hilfe von... Hagebutte! Ja. Wer’s mit dem Tee nicht so hat, kann sie auch in anderer Form zu sich nehmen. Hagebuttenmarmelade, z.B., schmeckt grandios, verfeinert Saucen und Frühstückssemmel gleichermaßen. Die Früchte werden dafür entkernt (eine mühevolle aber lohnende Arbeit), püriert und mit Zucker gekocht. Sie sollten Frost abbekommen oder eine Nacht in der Gefriertruhe verbracht haben. Wenn sie die Vögel nicht holen, hängen sie oft, bis der Schnee sein weißes Tüchlein auf sie deckt... Man findet sie aber auch im Glas auf dem Kemptener Wochenmarkt, das ist sehr viel bequemer.
Um die Gelenke zu unterstützen, Arthrose, Osteoporose und Gelenkschmerzen vorzubeugen, besorge man sich Hagebuttenpulver und nehme es jeden Tag zu sich. Es lässt sich hervorragend z.B. in Müsli „verstecken“. Ach, viel könnte man noch sagen über diese Wunderfrucht. Sie dient auch der Schönheit und Liebe. Nicht nur der zu anderen, sondern auch der zu sich und zum eigenen Körper.

erschienen im SPORTLARHÜS MAG4, November 2014