Leber & Mariendistel

„Der Feber, der Feber, der schlägt mir auf die Leber…“, so das Wort einer süddeutschen Dichterin und gemeint ist der Februar. Der Fasnetsmonat. Jup – das kann schon sein – über all dem Trinken und Lachen und Fressen, hat die Leber ganz schön zu tun! Aber darum können wir uns „nach de narrete Däg'“ kümmern… Die Fasnet ist die Zeit des Wassermann – im wahrsten Sinne ver-rückt – außer der Reihe, wir dürfen aus dem ernsthaften Alltag ausbrechen, uns eine Maske überziehen, anders sein, ins (Schellen-)Gwand schlüpfen und den Hofnarrn geben. In der Fasnet ist „aus-der-Reihe-tanzen“ sogar heftig erwünscht! Die ausgelassene Freude, das Sich-Verkleiden, sich anders benehmen, es anders als sonst zu tun, ist in unserer Leistungs- und bürokratischen Gesellschaft mehr als wichtig! Es ist der Ausgleich fürs viel zu lange und zu viel Stillsitzen der Erwachsenen. Zudem ein verborgenes Spiel mit Täuschung und gar mancher ist schon in der Fasnet gelandet, wo er unsmaskiert nicht 'rangekommen wär'... Für uns alle ein Spaß und die Farbenpracht soll ja auch mit ihrem Gelärm und Gejohle, mit den Fanfaren und der Musik den Winter letztlich in seine Schranken weisen. Ein Aufbäumen war das, kurz bevor die Fastenzeit begann und das Fleisch mit ihr hinwegschwand. „Carne vale“ kommt aus dem Italienischen und bedeutet soviel wie: „Fleisch lebe wohl!“ In diesem Sinne: auf die Beine, auf die Gass', aufs Fleisch (in jeder Hinsicht) und ins Fasnetsgetümmel!

Wie bei allem ist die Dosis von Wichtigkeit: Nachdem wir es so maßlos übertrieben haben, wie es die Fasnet halt will, müssen wir mit den Vergiftungen und dem, was wir angerichtet haben, klarkommen!

Deshalb zurück zur Leber: Sie ist unser schwerstes Bauchraum- und Entgiftungsorgan. Legen wir unsere rechte Hand unter den letzen Rippenbogen rechts, liegt darunter die Leber. Wärme tut ihr gut. Sie mag nicht so gern kalte Speisen und Getränke – vielmehr jedoch ab und zu eine wohlige Wärmflasche oder einen feucht-warmen Leberwickel. Kann man prima in der Mittagspause oder nach dem Abendessen tun! Die Leber hat viele wichtige Aufgaben in unserem Körper – eine ist, täglich gut einen Liter Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung zu produzieren, eine andere, den Körper zu entgiften. Auch für die körpereigene Abwehrkraft spielt sie eine zentrale Rolle. Tut man ihr Gutes, verbessert sich in der Regel das gesamte Wohlbefinden.

Die Mariendistel ist eine große Hilfe für die Leber. Wie der Name schon sagt, ist sie eine Distel, also mit Stacheln bewehrt, und von Gestalt imposant, sie wird bis zu 2 m hoch und trägt doch nicht allzugroße purpurne Blüten. Riesige ledrige dunkelgrüne Blätter sind gesäumt mit scharfen Kanten und dornigen Spitzen und haben eine weißliche Färbung entlang der Blattadern.
Im Volksglauben sagte man, die Flecken auf den Blättern, die weißen Rinnsalen ähneln, rühren von der Milch Mariens her, als sie Jesus gestillt habe. Demnach setzt man sie wirklich auch zur Steigerung des Milchflusses ein. Außerdem schützt sie besonders die Leberzellen, steigert ihre Regenerationsfähigkeit und fördert die Heilung des Lebergewebes. Sie wird eingesetzt bei Leberschädigungen durch Alkohol, Drogen und Medikamente, sowie bei Leberzirrhose, -verfettung und Hepatitis. Es werden Blätter und Samen verwendet, glänzende braune Gebilde, in der Form wie Reis, nur dicker, härter und nicht ganz so wohlschmeckend. Die Blätter lassen sich schneiden, trocknen und aufbrühen oder in Alkohol oder Öl ausziehen, die angestoßenen Samen ebenso, oder man mischt sie dem Essen bei oder macht einen Absud, den man trinkt oder per Wickel auflegt. Man kann die Samen auch einfach kauen. Bei Vergiftungen ist der Wirkstoffkomplex Silymarin ein Therapeutikum, und manchmal, wie bei der von Knollenblätterpilzen verursachten, in hoher Dosierung eins der wenigen Gegenmittel.
Mariendistel, angewendet bei Rheuma, Gallenblasenentzündung, Verstopfung, Magenleiden und Gefäßverengung, lohnt. Es sind auch Erfolge bei der Behandlung von Venenentzündungen und Krampfadern (mit getrunkenem Saft aus dem Reformhaus), Trigeminusneuralgie und Herz-Kreislaufbeschwerden bekannt.
 
Auf der Seelenebene hat die Mariendistel noch andere Schätze parat: Sie hilft, den Sinn wiederzufinden, falls uns die Fasnet etwas verwirrt oder  orientierungslos zurückgelassen hat… Schuldgefühle und Traurigkeit mögen mit ihr sanft, aber kraftvoll und tiefgreifend losgelassen werden. Mütterlich stark und dennoch milde schützt sie, was in uns zart und verletzlich ist und nach dem lauten närrischen Treiben in der stilleren Fastenzeit wieder hochkommen kann. Für eine Leberreinigung oder eine Frühjahrskur ist die Fastenzeit immer eine gute Gelegenheit! Mit den Katerresten kehrt diese wiederum hinaus, was sich für uns überholt hat und bereitet das Feld unserer Dreieinigkeit (Körper, Geist und Seele) auf die nahende Explosion der Lebenskraft im Frühling vor. Wir dürfen uns überbordend freuen, wir sind beschützt. Wer mag, der rufe sich das alte Stoßgebet in den Sinn: „Maria, breit' den Mantel aus, mach Schutz und Schirm für uns daraus, lass uns darunter sicher steh'n, bis alle Stürm' vorübergeh'n.“ In diesem Sinne stürzen wir uns furchtlos kopfüber ins Tosen und Treiben, weil's bald 'rum isch'! Und… Mut den Fasnetsmuffel – weil's bald 'rum isch! In dem Monat, der ganz anders ist, als die anderen: Viel Spaß im Feber (= Februar) und mit der Leber! Zudem bekommen wir heuer noch einen Tag extra „geschenkt“, den 29., es ist Schaltjahr! Ausgelassenes Schalten und Walten, Ihre Kräuterhexe Claudia

erscheint in der Faschingsausgabe des „Schaufenster“, von Ulm bis zum Bodensee