Kümmel

„Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmacket?“ Dieses Zitat wird gern Luther oder Goethe untergeschoben, waren ja beide auch bekannt durch ihre sehr lebensnahen Worte. Manche mögen gekichert haben oder erstaunt die Augenbraue hochziehen, ob solch derber Aussprüche. Aber es ist Fasnet, wir saufen und fressen, was das Zeug hält und wehe denen, die oben genanntes nicht können... schmerzhaft, unwohl, selbst Babies schreien deswegen. Wir wissen es alle. Und der Kümmel, dieser Lümmel, kann uns helfen bei der Verdauung des satten Lebens.
Er gehört zu den Doldengewächsen (die so weiße Tellerartige Blütendolden bilden) und enthält eine Menge der typischen ätherischen Öle, die die einen den Kümmel lieben und die anderen voller Abneigung reißaus nehmen lassen. Kümmel ist verdauungsfördernd und appetitanregend und wurde von jeher neben dem täglich Brot auch Speisen zugegeben, die schwer verdaulich sind: Schweinsbraten und Kraut. Unruhigen Kindern stellte man eine kleine Schüssel mit gesalzenen und gekochten Kümmelsamen unter das Bett. Dorthin legte man auch die ganze Pflanze, um eine Geburt zu erleichtern.
Ich bin froh, dass man wieder vermehrt Kümmel in den normalen Wiesen und Weiden findet. Früher konnte man, so sagte ein alter Kräuterweiser und Lehrer von mir, bei uns auf einem Quadratmeter wohl um die 80 verschiedene Kräutlein und Gräser finden – heute sind es manchmal gar nur 10 oder weniger, je nachdem, wie die Wiesen bewirtschaftet werden. Aber es werden wieder mehr und der Kümmel ist glücklicherweise darunter. Warum ich hier ausschweife? Nun, war es dem Vieh nicht wohl, ging es dorthin, wo der Kümmel im Feld wuchs und fraß intuitiv davon. Deswegen heißt es auch nicht: Geh' dahin, wo der Kümmel wächst, wollte man jemanden loswerden! Denn Kümmel war immer und überall für Mensch und Tier vorhanden.
Man kann Kümmel anstoßen und in gutem Öl ansetzen. „Einen Mond“(zyklus) lang dunkel und warm stehen lassen. Davon 2-3 Tage an einem sonnigen Platz, dann abseihen. Frischgebackene Eltern freuen sich darüber (zur Einreibung des Babybauchs – im Uhrzeigersinn!) ebenso wie aufgeschlossene Köche. Bei Krämpfen hilft ein „Pflaster“, – dafür stößt man den Kümmel an, kocht ihn mit etwas Wasser und verteilt das zwischen zwei Lagen Baumwolltuch. Warm auflegen. Handtuch und Wärmflasche drauf. Kann auch bei Unterleibskrämpfen, gerade zu Beginn der Menstruation angewendet werden.

Saurer Käs' – ein reifer Romadur mit Zwiebelringen und EssigÖl, Pfeffer, Cayenne, Salz und natürlich angestoßenem Kümmel und dunklem Brot ist eine ausgezeichnete Unterlage vor einem närrischen Abend oder ein großartiges Frühstück nach einem solchen – und man hält sich durch die Zwiebel-Schwefel-Ausdünstungen, die vom Kümmel wie mit Raketen befördert werden, allzu aufdringliche Narren vom Leib.

Und wer ihn mag, der esse ihn und lasse einen drauf! Denn wie wir angefangen haben, so hören wir auf – mit einem andern „windigen“ Zitat aus ebenso zweifelhafter Quelle: „Aus einem verkniffenen Hintern kommt kein fröhlicher Furz!“ Entkrampfend wirkt er nämlich auch, der Kümmel – in jeder Hinsicht! Also seien wir fröhlich, genießen wir unsere Freiheit mit und ohne Bleistift. Eine lustige, narrete, ver-rückte Fasnet voller Lachen. Je suis Ihre Kräuterhexe

erscheint in der Faschingsausgabe des „Schaufenster“, regional von Ulm bis zum Bodensee