Minze Mentha… es gibt unglaublich viele Minzen



Sie kreuzt sich gern und trägt solch Namen wie Ackerminze, Hemingway-Minze (Der Schriftsteller liebte den Drink Mojito so sehr, dass sogar eine helle, sehr duftig aromatische Minzsorte nach ihm gezüchtet und benannt wurde. Für den Drink Minze und 1 in Stücke geschnittene Limette mit 2 Tl Rohrzucker in einem Longdrink-Glas quetschen und verrühren, 4-6 cl Rum hinzugeben und mit Mineralwasser auffüllen), Krause Minze, Schokoladenminze und viele mehr...
Ein Meer von Minze. Es hat was zu bedeuten, wenn in meinem Garten derzeit ein Meer von Minze ist. Weit mehr, als meine Familie und ich aufgebrüht trinken könnten. Also nehm’ ich ihre Botschaft ernst und bringe sie hiermit zu Ihnen.

Die Minze verleiht einen kühlen Kopf. Das sagte man nicht nur in Nordafrika und im alten Rom. Mit Minze rieb man die Schläfen ein und trug ein Büschel mit sich. Es hielt nicht nur Ungeziefer fern. Dieser kühle Wohlgeruch umschwebt uns auch nach dem Zähneputzen am Morgen. Hmmmm. Ein Zeichen, dass wir uns die Nacht vom Leib und aus dem Mund gewaschen haben. Gut so! Viel nächtliche Entgiftungsprozesse  geschehen über den Mund und die Mundschleimhaut. Deswegen ist es gut und gesund, zu bürsten, die Zunge zu schaben und mit Minze zu spülen, wirkt sie doch keimtötend und reinigend, belebend und erhebend.
Dünne sehnige Menschen, die viel frieren, sollten ein wenig warten, bis ihr „System“ hochgefahren, der Stoffwechsel angekurbelt ist und sie Feuer für den Tag gefangen haben, ehe sie Minztee trinken, oder es überhaupt ganz lassen, weil der noh weiter „abkühlt“. Auch sollte man im Herbst und Winter schauen, ob man die kühle Minze zu sich nimmt, da es draußen kälter wird. Hier sehen wir wieder, dass nicht alles jedem in gleicher Weise, geschweige denn immer, dient. Menschen, die mit hochrotem Kopf durchs Leben rennen und solche, die von Entzündungen oder Hitzewallungen geplagt sind, können von der Minze profitieren. Man muss halt genau hinschaun. Ehrlich sein. Manchmal sieht man dabei Unliebsames. Nicht hinzuschauen schützt nicht davor, obwohl es weit verbreitet ist. Irgendwann fällt einem die Botschaft, die in den Symptomen oder sagen wir in den Erscheinungen liegt, auf die Füße. Dann muss man eh hinschaun. Man kann es vorher freiwillig tun. Wenn man will.
Das ist leichter gesagt als getan. Wir leben in einer Welt, wo wir viel Ablenkung haben. Es braucht Wachheit und immer wieder das Hinwenden zu uns selbst. Manche nennen es Einkehr und damit ist nicht die im Wirtshaus gemeint;-) Es kann eine Haltung sein, mit der man in der Welt steht. Menschen, die das für sich realisieren, strahlen Offenheit und großen Frieden aus.

Wie kann man in dieser Welt sein und unaufhörlich schauen, was vorgeht – und zwar innen und außen? Es braucht Übung. Fangen wir gleich mal an. Was ist in Ihrem Körper? Und was nehmen Sie um sich wahr? Und – hin- und hergesprungen? Und jetzt beides gleichzeitig. Sie werden staunen, was es bringt und das ist erst der Anfang. Das heißt nicht, dass man es irgendwann mal zur Gänze schafft oder kann oder damit fertig ist. Ah, ein Stich hier, wenn der Partner spricht… oder Magendrücken bei dieser eMail – ah. Oder Taubheit im Po beim Küssen… es gibt nichts, was es nicht gibt. Und jeder ist einzigartig. Was will’s mir sagen? Die Äußere Welt zieht uns immer wieder fort von uns selbst. Scheinbar. Bis wir’s gelernt haben, bei uns zu sein. Wir werden immer bewusster. Man könnte sagen, wir werden ausgebildet. Unsichtbares existiert. Wohin damit? Wie einordnen?

Nun ja, man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Das heißt, wenn uns einmal etwas klar geworden ist, kann es nie mehr unklar sein. Wir können nicht in die Kinderschuhe zurück, wenn wir ihnen einmal entwachsen sind. Das ist manchmal schmerzlich, viele suchen nach dem Gefühl von damals und behelfen sich damit: „Früher war alles besser!“ in die Welt zu schreien. Doch da steckt Not dahinter. Wir sind nun mal hier. Jetzt. Das ist ein Geschenk und eine fette Herausforderung. Man kann sich führen lassen. Wenn man die tiefe Sehnsucht nach Wahrheit spürt, wird man Lehrer finden. Ein Sprichwort sagt: Wenn der Schüler bereit ist, taucht der Lehrer auf. Wir sind immer Schüler. Und Lehrer. Und bekommen das, was uns weiter bringt.

Manchmal wird's eng. Vom Wort eng kommt das Wort Angst. Diese greift um sich, auch viral. Wenn wir es erlauben. Angst wollen wir in der Regel nicht haben und lieber schnell wegmachen, wie Schmerz auch. Beide scheinen jedoch zum Leben zu gehören, für uns Menschen. Wir können lernen, dass es Erleichterung gibt. Wie z.B. Minze an die Schläfe, wenn wir Kopfweh haben. Wenn wir dann entspannen, kann es gut sein, dass die Kopfschmerzen weg gehen. Und falls wir die Schnauze voll haben von den Kopfschmerzen immer nach der Arbeit oder immer vor unseren Tagen, könnten wir genauer hinschaun. Wenn wir wollen. Dann könnten wir sehen, dass wir vielleicht mit der Arbeit unzufrieden sind oder unter den Launen des Chefs leiden oder dass wir unser Frausein und die damit einhergehende Periode ablehnen und meinen, wir müssten wie eine Maschine funktionieren. Wenn wir uns trauen, mutig auf und hinter das, was ist zu schauen, können wir lernen: für’s Leben, für’s Lieben und für die Gesundheit. Dann kommen wir uns auf die Schliche. Vielleicht ist Joh 8,32 „und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ genau so zu verstehen? Prüfen Sie es nach! Dann kann es Erlösung geben.

Minze weitet den Geist, sagt man, und so mutet es sinnvoll an, erstmal eine Tasse frisch gebrühten Minztee zu trinken, wenn dicke Luft herrscht oder irgendwas angespannt und verkrampft scheint. Manchmal sind wir so identifiziert und wie verschmolzen mit dem, was da abläuft, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, wir hätten eine Wahl, anders zu denken oder zu handeln.
Wenn man etwas hinter sich hat, erhält man oft Einblick, als würde Gott einen Scheinwerfer genau auf diesen Punkt richten. Dann kann man plötzlich verstehen und den Schatz sehen, der unter der Sch… lag. Verzeihen Sie, aber so ist es! Das Leben bietet uns Hinweise, wo wir lang gehen sollen. Erst sehr liebevoll. Wenn wir lange Zeit nicht darauf hören, werden die Hinweise deutlicher bis drastisch. Kennen Sie das? Auch wenn wir unter etwas hartnäckig leiden – hinschaun! Chronisches zeigt sich, wenn wir irgendwo blockiert sind. Das geschieht unbewusst und deswegen sehen wir es oft nicht, auch wenn wir bis zum Hals drinstecken und unsere Freunde es schon zig mal angedeutet haben – oder noch schlimmer – unsere Eltern es sagten oder unser Partner. Schotter. Das wollten wir nicht hören. Dämmert es uns langsam doch? Kommt Ihnen was Bestimmtes in den Sinn? Wird Ihnen übel? Das ist ein gutes Zeichen. Ehrlich. Es heißt, da sortiert sich was.
Wir verstehen plötzlich, wie alles zusammenhängt und wie wir uns selbst ins Fäustchen gelogen haben oder welchen Mustern wir auf den Leim gegangen sind. Es war dereinst Überlebenstaktik. Mit der Zeit werden diese Strategien ganz schleichend zu Gefängnissen, die das Leben sauer und uns unlebendig machen. Deswegen schauen wir versonnen in die Kinderwagen oder können es nicht ertragen, wenn Bälger so laut und lebendig sind, weil sie uns schmerzlich an uns selbst erinnern.

Traurig? Wir können jederzeit umkehren. Bereuen. Ja, wirklich. Minztee trinken und das sprichwörtliche Blatt Papier äh Minze… zwischen uns und das, was uns plagt, bringen. Minze und manch anderes vermag zu lindern. Und bitte Milde einladen. Immer wieder mild werden. Mit sich selbst und der Welt. Wenn wir’s für möglich halten. (Falls Sie sich eher als Frostbeule bezeichnen und dauernd schlottern, versuchen Sie’s mit Kamille!)
Ladies, Unterleibskrämpfe können auf Minze ansprechen. Ich ermuntere Sie hier von ganzem Herzen: Lernen Sie sich selbst kennen! Schauen Sie, ob und wo es Sie zur Minze zieht! Und wenn Sie sie zu sich nehmen, „schauen“ Sie was passiert, wie sie bei Ihnen wirkt. Darmbeschwerden, Gallenkoliken und Magenkrämpfe können durch schluckweise warmen, in Ruhe getrunkenen Minztee Beruhigung erfahren. Das ist das erwähnte Blatt zwischen Ihnen und dem Symptom. Dann kann man beobachten. Auch nach Impfungen oder bei Blähungen kann Minze gute Dienste leisten. Beruhigend. Auch bei hitzigen Diskussionen oder wenn Dinge hochgekocht sind, mag die Minze eine Verbündete und Verbindende sein. Sie schafft Raum. Und wenn wir dann noch eine Offenbarung erhielten – dann wäre es vermutlich die: (Im Flüsterton ganz nah am Ohr, ganz tief zu Herzen gehend) Unsere Persönlichkeiten sind keine Bedrohung für einander, sondern ein Schatz. Das Kühle kann das Hitzige ausgleichen, in Körpern, in Gemeinschaften, im Zusammenwirken. Wir heilen mit- und aneinander. Das gelingt, wenn sich keiner über den anderen stellt und beherrschen will. Man muss stehenbleiben, obwohl einem die Bälle um die Ohren fliegen. Man kriegt was ab. Unausgesprochenes zeigt sich, muss sich zeigen dürfen. Man muss einander und vor allem sich selbst vergeben und erkennen, dass man selbst es war, der diesem Zwist erst Macht und Raum gegeben hat. Man könnte sagen, es sind unsere Gespenster. Wer erlebt, dass sich sowas löst, kann es als Referenzerfahrung fürs Leben nehmen. Dann ist das Ding gegessen. Keine Ladung mehr. Da bleibt nix. Dann ist es zutiefst wohltuend, den alten Spielchen und Mustern nicht mehr folgen zu müssen. Das ist Heilung.

Verstehen Sie? Aus der Warte der Kräuterfrau ist es sehr einfach erklärbar. Würde man denn sagen: „Die Minze ist besser als die Kamille, nieder mit der Kamille!“ Ja, sehen Sie, das ist bescheuert. Denn wie weiter oben gut erkennbar, sind beide wirksam, unterschiedlich und kostbar. So ist es mit uns Menschen auch. Solang wir uns als Einzelkämpfer isoliert betrachten, haben wir’s nicht kapiert und können keinen wirklichen Frieden finden. Wenn wir spaltenden Ideen glauben, sehen wir nicht dahinter, wo und wie die eigentliche Musik spielt und kämpfen gegen Windmühlen. Wir verausgaben uns für was, das uns letztlich zerstört.

Vom Schöpfer sind wir ausgestattet mit einem wachen Geist, der zu unterscheiden vermag. Dabei geht es darum zu erkennen, was die Menschen hitzig treibt und wovon sie geritten werden. Die Unterscheidung der Geister. Wem folgen wir? Und dann die Königsdisziplin: Sich davon immer weniger beeindrucken zu lassen, weil die Dinger sogleich erkannt sind. Die Minze kann gut unterstützen. Wir können mehr und mehr sehen, wer wir Menschen sind. Vorausgesetzt, wir bleiben offen und sind bereit, unsere Weltbilder immer wieder über den Haufen werfen zu lassen. Dann werden wir aus dem Staunen nicht herauskommen. Dann sind wir lebendig. Es gehört Vertrauen und Mut dazu. Es ist eine Entscheidung. Wenn wir wollen. Kühl ist nicht besser als warm. Minze nicht besser als Kamille. Ich bin nicht besser als Sie. Es braucht uns alle. Offenen Herzens. Und Beten hilft. Probieren Sie’s aus! – Ebenso wie dies leckere Spektakel zum Schluss: Kartoffeln und Brokkoli kochen und mit Butter und heißer Milch und Salz und einer Prise Muskat pürieren und nach Geschmack klein gehackte Minze unterheben. Mein Mann mag’s. Ich liebe es.

Seien Sie einander gut, komme, was wolle. Und immer schön schauen, was es jetzt gerade braucht – Coolness oder warmes Mitgefühl…? Alles Gute, Ihre Claudia

 

in der Oktoberausgabe 2021 des „Schaufenster“, von Ulm bis zum Bodensee, Auflage 28.000