Pfingstrose Paeonia officinalis 

Heute mute ich Ihnen so einiges zu: Wir besprechen eine Pflanze, die manchen und manchenteils als giftig gilt und doch – Sie werden sie gewiss in einigen Tees und in ausgesuchten Kräuterläden und ziemlich sicher in Ihrem oder umliegenden Gärten finden. Wagen wir es – sie ist uns allen wohl bekannt und steht gerade vor ihrer verschwenderischen Blüte: Die Pfingstrose.
In mannigfaltigen Formen und verschiedenen Wuchshöhen zeigt sie sich. Von reinweiß, über gelb, zart rosa, pink bis hin zu dunklem rot ist sie zu bewundern, ungefüllt bis dicht gefüllt, einem von Volants vollen handtellergroßen Puschel gleichend, der manchmal so schwer wird, dass sich die Blütenköpfe verneigen. Waden- bis überkniehoch kenne ich sie bei uns, während in südeuropäischen Ländern und in China ganze Bäume die Gartenkultur dort prägen. Dementsprechend heißt auch manch Tee „white peonie“ und küsst die weißen Teeblätter mit Teilen der weißen Pfingstrose, was einen eigenen duftigen Geschmack und eine gelbe Tasse, also Farbe ins Teewasser, zaubert und nicht nur in China als exklusive Feinschmeckerei gilt. Oder besonders zarte unfermentierte Tees werden so nach ihr benannt. Fragen Sie im Teeladen!

Die Pfingstrose kündet eins der Schlüsselfeste des Christentums, zumal sie es ja im Namen trägt: Pfingsten. Das Fest der Entsendung des und unserer Beseelung mit dem heiligen Geist. Es ist der 50. Tag der Osterzeit. In der Zahlensymbolik ist die 5 die Zahl der Mitte – oder Liebe, die vom Herzen ausgeht, siehe den Film „Das fünfte Element“. Und die 0 ist die des Narren. Sie ist die einzige Zahl, von der aus alles möglich wird: Trennt vom Negativen oder Positiven. Sie ist aber auch die Zahl des Nadelörs, durch das wir gehen, wenn wir im Bewusstsein des Bösen und des Guten stehen, jedoch das PingPong-Spiel nicht mehr mitmachen und durchgehen. Sie symbolisiert den Christusweg. Legte man einen unendlichen Stab, auf den alle negativen und positiven Zahlen aufgemalt sind bei der 0 auf unseren ausgestreckten Zeigefinger, wäre er ausbalanciert.
Wir können Pfingsten auch das Fest des Bewusstseins nennen... – schließlich gab es keine Sprachbarrieren mehr und die Jünger, auf die der Geist sich herabsenkte, werden mit einer Flamme über dem Kopf dargestellt. Für die, die damit vertraut sind – es ist da, wo das höhere Selbst oder 8. Chakra, unsere Anbindung zu Gott und allem was ist – vermutet wird. Große Wahrheit liegt in jeder Kultur und jedem Menschen.
Die Päonie ist beseelt vom göttlichen Geist und übrigens benannt nach dem Arzt der Götter: Paian. Wir befinden uns hier im griechischen Götter-Himmel oder vielmehr in der Unterwelt. Dort heilte er der Sage nach den Gott Pluton mit Hilfe der Pfingstrose.

Dieser Tage ist uns ein neues Bewusstsein aufgezwungen worden und wir sind angehalten, Abstand zu halten, auch von Menschen, die wir sonst umarmen und abknutschen. Das ist schwer. Und zugleich ist es auch eine Möglichkeit, da hinzuschaun, wo wir Berührung mit anderen empfinden können, wenn keine körperliche möglich scheint: In die Augen. Die sind nicht verdeckt durch Atemmasken und galten seit jeher als Tore zur Seele. Wir schauen uns an. Wir können mit den Augen und dem Herzen kommunizieren! Wenn wir es für möglich halten.
Die Welt hat sich innerhalb von Wochen völlig geändert und wir uns mit ihr. Vielleicht ist vielen besonders klar geworden, was sie für eine Welt wollen, jetzt, da die alte nicht mehr vorhanden ist. Wie soll sie also sein, unsere Welt? Wie wollen wir uns treffen? Wie begegnen? Was soll möglich sein? Soll sie uns beherbergen und uns unser Potenzial entfalten lassen, wie eine Pfingstrose, die aus einer festen grünen Bolle, einen duftig zarten viel größeren Bausch entstehen lässt? Wie können wir Nachhaltiges, Gutes miteinander kreieren? Was ist der Geist, der uns alle trägt? Wir sind Menschen! Herrgott, das ist so ziemlich das Größte im Universum! Zeit, dass wir kapieren, dass wir Dreh- und Angelpunkt für alles sind und das erschaffen, was wir anpeilen. Es ist ein tägliches Wunder, unser Leben. Also lassen wir uns führen und leiten und uns ausrichten aufs Lebendige und Liebende, statt nur aufs Überleben und „es schaffen müssen“. Und senden wir an dieser Stelle, jetzt, da Sie das lesen, eine Welle zu denen, die mit dem Leben oder dem Tod ringen, egal, aus welchem Grund. Und so geschieht es. Keiner steht allein da. Das kann man spüren, wenn man will. Aber auch das Gegenteil, wenn man das will.


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Wenn wir nicht nur im Vorbeigehen die Päonie anschaun, unseren Blick auf ihr ruhen lassen, kann man sich berühren lassen. Von ihrer Schönheit. Von ihrem puren Sein. Von der verschwendenden Hingabe der Natur, die wächst und uns beherbergt und nährt.

Wer Mundgeruch hat (und es jetzt unter der Maske so richtig riecht), kann laut Hildegard von Bingen Scheibchen von der Wurzel abschneiden und in einer kleinen Tasse Wein kochen und davon trinken.  Es treibe den Unrat aus, den der Körper ansonsten durch den Gestank auswirft...
Die Pfingstrose hat eine korrigierende Funktion: Sie macht Schäden, die aus ungutem Lebenswandel und schlechter Ernährung entstanden sind, wieder gut. Für manche Kräuterärzte galt sie gar als ein Universal-Heilmittel. Erinnern wir uns: Sie konnte sogar kranke Götter heilen... ;-)
Bitte achten Sie darauf, sie nur in geringen Dosen zu sich zu nehmen! Und ja, ich mute Ihnen zu, dass Sie selbst wissen, wie viel das ist. Gehen Sie vorsichtig vor und verwenden Sie wenig. Die Verantwortung für sich, liegt bei jedem einzelnen von uns selbst. Es ist eine Krux in diesem Leben. Wir müssen dauernd Entscheidungen treffen, ob wir für was gehen oder nicht. Also – wofür gehen Sie? Vermeiden Sie Überdosierung!
Auch im Leben finden wir nicht immer jemanden, der uns sagt, was richtig und was falsch ist und das sehen wir jetzt deutlicher denn je. Zumal jeder sich vom anderen unterscheidet. Das gilt für jede Pfingstrose und in komplexerem Sinn für uns. Es ist eine gute Gelegenheit, sich zu üben, wieder in sich ’reinzuhören und den anderen Wesen zu lauschen. Egal, ob sie uns als Menschen oder Pflanzen oder andere zeigen. Alles sagt uns was. Wir entscheiden, ob wir hinhören. Und... ja, wenn wir die Stöpsel aus den Ohren nehmen und – wie der kleine Prinz es sagt – mit dem Herzen sehen, ist so ziemlich alles möglich.

Es gibt Paeonia auch als homöopathisches Mittel – man kann sie bei Krampfadern einsetzen und den Erscheinungen des Milz-Wirkkreises, wie Hämorrhoiden und den anderen „Blümchen am After“, sowie bei weiteren Themen der Lymphe. Wer unter Zysten leidet, kann sie vertrauensvoll in die Therapie einbinden. Sie bildet die Gegenbewegung zur verkapselten Energien – die Pfingstrose kennt dies Stadium des fest Verschlossenseins in der Knospe – aber eben auch und danach die bedingungslose Hingabe und Öffnung zur Entfaltung von Zartheit der duftigen riesigen Blüte. Sie ist eine Königin des Gartens und beherbergt mindestens einen Superlativ: Jede Blüte trägt 3,6 Millionen Pollen und lässt nicht nur die Bienen tanzen.

Man kann Milz und Leber mit der Pfingstrose kurieren und die chinesische Medizin setzt rote bei Myomen und Abszessen ein und weiße bei Kopfschmerzen, Anämie, Krämpfen und Nachtschweiß. Man sagt letzterer auch nach, sie nähre das Blut.
Sie hat zudem Einfluss auf unsere Gehirnzellen, weil sie entkrampfend wirkt und beruhigt. Tee aus getrockneter Wurzel wurde bei Krampfasthma eingesetzt und bei Angst, die einem die Luft raubt. (Kein Zufall, dass das Corona, das uns alle in Atem hält, das Lungenthema hochbringt, was in Verbindung steht mit Angst – unser aller Angst – und die geht ja sicht- und spürbar für jeden um.)
1 Teelöffel Wurzel wird mit 1/4 l Wasser kalt zugestellt und zum Sieden erhitzt, dann abgeseiht. Man rät zu maximal einer Tasse pro Tag. Bitte seien Sie auch hier achtsam mit sich: Schauen Sie ob’s Ihnen gut tut und wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, oder jemandem, dem Sie vertrauen, oder jemandem, der was davon versteht.
Die Blütenblätter können Sie trocknen, es bietet sich vor allem an, wenn die Pfingstrosen in schönster Blüte stehen und Regen angesagt ist. Sie sind so duftig, dass sie danach zu einem matschigen bräunlichen Klumpen werden und gern von uns vorher gebraucht werden können. Zum Beispiel zu Melisse oder anderen Kräutern beigefügt, können sie als Tee überbrüht werden. Hier wirken sie bei Bauchweh, Muskelverkrampfungen, Rheuma- und Gichtleiden.

Wessen Kinder von Alpträumen geplagt werden – bitte nicht „wegmachen“ wollen, auch wenn besonders wir Mütter schlecht aushalten, wenn unsere Kinder ihre Not haben. Halten sie ihr Kind und lassen sie es das Schreckliche in Ihren Armen durchfühlen. Und am besten gleich selbst mitfühlen. Alle lernen dadurch. Dann geschieht Heilung und es gehen die Dämonen und Gespenster meist von selbst. Wenn wir sie nicht anschaun, nicht wahrhaben wollen und wegdrücken, tauchen sie in den inneren Keller (wir nennen das dann Unterbewusstsein) und versuchen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit hochzukommen und bleiben bei uns – manchmal ein Leben lang. Wird Angst wieder und wieder verstaut und zwecks Platzmangels so in uns „verdichtet“ (machen wir alles unbewusst...), ballt sich diese, bis der Körper sie nicht mehr halten kann: Wir bekommen eine Angststörung. Menschen mit Panikattacken können mehr als ein Lied davon singen. Furcht ist menschlich. Oder haben Sie keine? Darum sollten wir unseren Kindern erlauben, sie zu haben und zu fühlen. Zur Unterstützung können Sie gern eine Pfingstrose aufstellen und dem Kind sagen, dass die sich gern um die schlechten Träume kümmert. Gefühle wollen gefühlt werden! Und zwar, genau dann, wenn sie auftauchen.

Die Päonie hat große mystische Kraft und einen innigen Bezug zu uns Frauen und zur Gebärmutter. Frauen, gerne setzt Euch an die Sonne, Bauch frei machen, und legt eine Blüte inmitten auf Euch, wo Ihr die Gebärmutter wisst oder gar die Narbe einer Geburt tragt. Die Päonie wird Euch zart wieder mit der Schönheit des Lebens verbinden und versöhnen, was zu versöhnen ist. Atmen und sein. In diesem Augenblick gibt es nichts zu tun.

Also, berühren wir uns und lassen wir uns berühren, auf allen Ebenen. Es geht ums Fühlen dessen, was gerade da ist. Wir stehen hier im Feuer des Lebens und in seiner ganzen Schönheit. Zugleich.
Ihre Kräuterhexe Claudia

in der Maiausgabe 2020 des „Schaufenster“, von Ulm bis zum Bodensee