Stiefmütterchen

Viola tricolor

Ackerstiefmütterchen, Ackerveilchen, Dreisam- oder Dreifaltigkeitskraut wird es genannt und jetzt ist die Zeit, wo man sie auf die Gräber pflanzt und in die torfschwarze Erde steckt. Es hat seinen Namen von der Blüte, sagt man. Die beiden oberen Blütenblätter sollen der Sitz der Stiefmutter sein, die über allem dominiert. Erinnern wir uns an Aschenputtel – ihre beiden Töchter sitzen rechts und links und auf dem untersten Blatt hatte das Stieftöchterlein zu sitzen. Das klingt zwar etwas verdreht und an den Haaren herbeigezogen, aber wer weiß, welche Gedanken so kommen, wenn man dieser Pflanze begegnet – Sie können's testen, wenn Sie sie in ansprechender Formation ins Beet setzen! Die Stiefmütter kennen wir aus den Märchen. Es waren dort die, die großes Unrecht über die Hauptpersonen brachten und Unheil und Unfrieden verbreiteten. Sie waren abgrundtief böse und fanden ein Ende am Ende der Geschichte, damit die Guten sich finden und die Liebe einkehren kann. Wenn wir nach dem homöopathischen Grundsatz gehen, wonach „Gleiches mit Gleichem zu heilen“ ist, müssten wir derzeit der ganzen Welt Tee aus Stiefmütterchen zubereiten und darreichen. Dieser wirkt wie auch die Urtinktur auf Haut und Schleimhäute, hilft laut vielen alten Kräuterbüchern und vielen Erfahrungen bei Ausschlägen und Ekzemen, bei Milchschorf und Juckreiz im Intimbereich. Mit Alkohol und gereizter Haut bitte Vorsicht walten lassen! 'Rantasten und die Haut, eine unserer kostbaren Hüllen, nicht überfordern – achtsam sein! Eventuell nur den Absud verwenden oder die Tinktur mit lauwarmem Wasser verdünnen und die Stellen vorsichtig besprühen oder abtupfen und wie stets: Wer selbst spürt, kann darauf vertrauen. Es gilt auch hier, Verantwortung zu übernehmen, damit es nicht des Guten zuviel wird.

(Die Tinktur, auch alkoholischer Auszug, genannt, entsteht so: Man gibt die klein gezupften Pflanzenteile der wilden oder selbst gesäten Stiefmütterchen in klaren Alkohol, 42% mag hier ausreichen, ich würde Wodka nehmen, weil die Kartoffel, aus der er gebrannt wird, ein Nachtschattengewächs ist und unter der Erde, im Dunkel und Verborgenen wächst. Was das mit der Stiefmutter zu tun hat? Sie verkörpert in den Märchen das Unbewusste, wir könnten auch sagen, das Böse. Und was die Nacht und den Schatten und das Dunkle im Namen hat, passt sehr gut zum Unbewussten. Es ist sein Wesen, dass es im Alltag oft unsichtbar scheinen lässt, bis uns diese Geister überfallen. Wir flippen dann scheinbar völlig grundlos aus oder fahren aus der Haut, wenn Partner oder Mutter ein falsches Wort sagen – das hängt zusammen. Perfekte Zeit! Nicht nur weil wieder Halloween naht – die Geister kommen hervor und die Schleier zwischen den Lebenden und denen auf der anderen Seite lichten sich. Wer schaut bewusst dorthin und hebt das Verborgene ans Licht? Der's wissen will, was es mit ihm macht, oder der, der ein Problem hat. Oft geht das erste aus letzterem hervor. Also, haben Sie einen Grund, hinzuschaun auf das, was sich zeigt? Dabei ist es gleich gültig, ob außen oder in uns. Wenn etwas in unserem Bewusstsein auftaucht, ist es relevant, also von Bedeutung. Jedenfalls lässt man die Stiefmütterchen vom Alkohol bedeckt einen Mondzyklus, also 28 Tage, stehen und bewegt die werdende Tinktur jeden Tag liebevoll, damit die guten Inhaltsstoffe auch hübsch herausgelöst werden. Von dieser nimmt man mehrmals täglich bis zu 10 Tropfen in Wasser. – Das war die längste Klammer der Kräuterhexe bisher. Und diese gibt es mit je einem Kraut pro Monat seit Mai 2010. Das heißt, wir feiern hier Jubel-Läum!) >

Wenn der Körper etwas loswerden will, hat er mehrere Möglichkeiten in seiner wundersamen Trickkiste: Über den Atem, Ausscheidungen oder mit Schwitzen. Nachtschweiß, vielerlei beobachtet derzeit um Herz und Lungen, vorne und hinten? Hier befreit sich Unbewusstes, Ängste verstecken sich gern in den Lungen… das geschieht manchmal wie durch Zauberhand, vielleicht Dank himmlischem Segen oder unseren nächtlichen Reisen in andere Welten.

Die Traditionelle Chinesische Medizin sagt, es sei auch gut gegen Kopfschmerzen. Dazu kann man mit der Pflanze Stirn und Schläfen abreiben oder eine große Tasse Stiefmütterchen-Tee schluckweise trinken. Dies empfiehlt sich auch bei Erkrankungen, die Augen, Rachen, Nase und Ohren anschwellen lassen. Bei den früher „Kinderkrankheiten“ genannten wie Mumps, Masern, Windpocken und Scharlach, wurde Stiefmütterchen getrunken, in Umschläge gepackt, mit ihnen getränkt: Bettlaken und der Mensch als Rollmops im heilsamen Leinen. Wärmflaschen außenrum. Zugedeckt bis zum Kinn.

Das war's aus Asien – es ist fast zu Ende: Wir werfen uns noch kurz und direkt in den hiesigen Volksglauben und die Mythologie – denn, wenn Sie sich erinnern: Es heißt Dreifaltigkeitskraut – was hat es damit auf sich? Die Legende sagt, dass es einen solch angenehmen Geruch gehabt habe, das Ursprüngliche im Kornfeld, dass die Leute aus Unachtsamkeit das Korn niedertraten, um es zu pflücken. So heißt es, das Blümchen habe die heilige Dreifaltigkeit angefleht um Hilfe. Die nahm ihm den Duft und das Blümchen erhielt diesen göttlichen Namen.

Wenn wir seine Farben anschaun, zeigt es sich in tiefem Nachtblau, weinrot mit schwarzen Augen und gelb-lila, zartlila und orange. Das sind die Farben eines bestimmten Wellenspektrums. Im Christlichen (Liturgischen), aber auch wenn wir Edelsteine und andere Farbdeutungen und -psychologien anschaun, steht Lila für Wandlung und Transformation – im Farbkreis gegenüber liegen Gelb und Orange in Nachbarschaft. Wir befinden uns mitten in der Zeit großer Wandlungen. Ich weiß, wir kommen hindurch. Flehen ist erlaubt, nicht nur, wenn alles schlimm erscheint. Der Weg? Immer dem Herzen nach und keine Furcht vor dem, was da tobt.

Im Vertrauen, Ihre Kräuterhexe Claudia

 

in der Oktoberausgabe 2020 des „Schaufenster“, von Ulm bis zum Bodensee, Auflage 20.000